Foto: www.explore-it.org

Passepartout will die Didaktik der Mehrsprachigkeit in der Primarschule verankern. Dafür sucht die Projektleitung die Zusammenarbeit mit anderen Schulprojekten. Zum Beispiel mit dem Projekt «explore-it. Technik verstehen lernen». explore-it entwickelt Baukästen und Anleitungen für verschiedene Fahr- und Fluggeräte, um jüngere Kinder für Technik zu begeistern. Mit zweisprachigen Anleitungen (deutsch und französisch) lässt sich der Technikunterricht ideal mit dem Französischlernen verbinden. Ab Herbst 2015 entwickeln die Expertinnen und Experten von Passepartout und explore-it gemeinsam mit Lehrkräften neue Lehr- und Lernmaterialien, welche auf den Prinzipien der Mehrsprachigkeitsdidaktik aufbauen. Besonders erfreulich: Der Bund unterstützt die Zusammenarbeit mit 100’000 Franken.

Zuerst üben die Erwachsenen

Am 4. März durfte ich als Vertreterin von Passepartout an einem eindrücklichen Nachmittag teilnehmen. Er fand in der Uhrenfabrik ETA in Grenchen statt. Eingeladen hatten die beiden Vereine «Jugend und Wirtschaft» und «explore-it»: Eine Gruppe von Lehrpersonen der zweisprachigen Schule Bözingen/Boujean aus Biel/Bienne durfte einen Bausatz für ein batteriebetriebenes Gefährt ausprobieren, den «explore-it» für Schülerinnen und Schüler entwickelt hat. Wir erhielten also alle eine Schachtel mit perfekt sortiertem, einfachem Material – runde Kartons, Gummibänder, Trinkhalme, Styroporblock und Anleitung. Die Besonderheit besteht darin, dass die Anleitung zweisprachig ist, und zwar abschnittsweise wechselnd.

Während einer Stunde versuchten wir in Partnerarbeit, immer eine französischsprachige und eine deutschsprachige Lehrperson gemeinsam, ein Gefährt zu basteln, das mit Batterieantrieb fahren sollte. Als technisch total ungeübte Sprachlerin kam ich bald ins Hintertreffen und war dankbar für Rat und Tat meiner Partnerin.

Nachwuchssorgen in der Uhrenbranche

Als die Fahrzeuge mehr oder weniger liefen, ging es zur Pause und zur Betriebsbesichtigung. Es ist einfach unvorstellbar, wie präzise die Millionen Kleinstteile sein müssen, damit sie in die Uhren passen. Dazu stellt die ETA selber Maschinen her, wozu sie sehr gut qualifizierte Uhrenmacher und Polymechaniker braucht. Es fehlt der ETA an Fachkräften, obwohl diese ausserordentlich gut verdienen. Junge Männer und Frauen sollten sich diese Berufe mit Zukunft genauer anschauen!

Nach der Pause, in der wir sehr gut verköstigt wurden, kam der zweite Höhepunkt: Es ging darum, wer zuerst mit seinem Fahrzeug in einen Ballon fahren und diesen zum Platzen bringen konnte. Dazu musste noch ein Speer in Form einer Nadel oder einem anderen spitzen Gegenstand eingesetzt werden. Plötzlich kam Bewegung in die Gruppe, alle gerieten in einen Wettbewerb miteinander. Sogar mich hat es gepackt – aber nach zwei Versuchen gab ich auf, weil mein Wagen zu wenig gerade und in die Zimmerwand fuhr…. Das Unglaubliche gelang dann aber doch einem Teilnehmer, und wir konnten nach seiner Beglückwünschung zur Reflexion des Erlebten schreiten:

Nachwuchsförderung mit Technikprojekten

Das Material eignet sich hervorragend für Kinder, am besten für 5. oder 6.-Klässler/innen. Es kostet Fr. 20.– für ein Schülertandem. Die anwesenden Lehrpersonen konnten es sich gut vorstellen, mit dem Bausatz auch bei Mädchen die Begeisterung für Technik und Naturwissenschaft zu fördern. «explore-it» hat mehrere Bausätze im Angebot, aus denen das passende ausgewählt werden kann.

Und das Ganze bilingue

Mich hat natürlich speziell die Zweisprachigkeit interessiert. Das Material eignet sich sehr gut für eine Aktivität im Zusammenhang mit einem Austausch oder einer Begegnung zwischen zwei Klassen aus der Romandie und der Deutschschweiz. In den Partnerarbeiten sind die Schülerinnen und Schüler aus den verschiedenen Sprachgebieten gezwungen, miteinander zu kommunizieren und einander zu helfen. Dabei müssen sie nicht unbedingt sprechen – sie können auch durch Handlungen und mit Gestik (Zeigen) das Ziel erreichen. Ob und wieviel sprachliche Kommunikation sich einstellt, wird unterschiedlich sein. Diese Art von zweisprachiger Tätigkeit ist vergleichbar mit dem so genannten immersiven Unterricht. Diese Form des zweisprachigen Unterrichts ist vor allem an den Gymnasien erfolgreich, könnte aber auch gut in die Volksschule integriert werden, wie das Projekt «Filière bilingue» in Biel beweist. Dort werden seit vier Jahren deutsch- und französischsprachige Kinder gemeinsam unterrichtet. Die eine Hälfte der Woche in Französisch, die andere in Deutsch.

Als Fazit des Nachmittags: «explore-it» zweisprachig ist ein HIT!

Weitere Informationen:

explore-it
Jugend und Wirtschaft
Eta AG