Sandra Schärlig aus Bern ist Mutter und Lehrerin für integrative Förderung auf der Primarstufe. Seit letztem Sommer lernt ihre 9-jährige Tochter in der Schule mit dem Lehrmittel «Mille feuilles» Französisch. Wie Mutter und Tochter das neue Fach erleben, erzählen sie in diesem Gespräch.

Sofie, hast du dich auf das Fach Französisch gefreut?

Sofie: Ja, ich habe mich recht fest darauf gefreut.

Wie gefällt dir der Unterricht?

Sofie: Ich finde ihn mega schön! Vor ein paar Wochen hielten wir einen Vortrag über uns und unsere Familie. Wir erzählten dabei, wie wir heissen, wie alt wir sind und welche Hobbies wir haben. Dazu gestalteten wir ein Plakat mit Fotos. Das hat grossen Spass gemacht.

Hast du den Vortrag auf Französisch gehalten?

Sofie: Ja. Ich habe den Text zuerst geschrieben. Danach hat ihn die Lehrerin korrigiert. Ich habe den Vortrag dann zu Hause geübt und ihn meinen Eltern und meiner jüngeren Schwester präsentiert. In der Schule mussten wir den Vortrag ganz auf Französisch halten. Wir haben dabei gemerkt, was wir schon alles gelernt haben.

Was macht ihr sonst im Unterricht?

Sofie: Manchmal bearbeiten wir Activités und nachher sprechen wir darüber. Oder wir hören Lieder und machen Spiele. Ein Spiel geht so: Die Lehrerin sagt etwas auf Französisch wie zum Beispiel «prendre une douche» und wir machen die passende Bewegung dazu. Hie und da schreiben wir einen Test. Wir dürfen uns dabei gegenseitig helfen und den «mini-dic» benutzen. Noten gibt es im ersten Jahr ja noch keine.

Frau Schärlig, wie war es für Sie, als Sofie in der 3. Klasse mit Französisch startete?

Sandra Schärlig: Wir wurden an einem Elternabend über das neue Fach informiert. Ich weiss, dass einige Eltern dem Französischunterricht nach Passepartout gegenüber kritisch eingestellt sind. Ich habe aber den Eindruck, dass viele das Lehrmittel nicht so genau kennen. Wir haben uns jedenfalls sehr gefreut, als Sofie mit Französisch startete. Ihre Lehrerin ist sehr motiviert und ich mache mir daher keine Sorgen, dass sie zu wenig lernen könnte.

Nun lernt Sofie ja schon einige Monate Französisch. Wie kommt Sie im Unterricht zurecht?

Sandra Schärlig: Ich habe das Gefühl, dass sie gut zurechtkommt. Sie hat keine Hemmungen, Französisch zu sprechen. Das hilft natürlich. Am Anfang hörten wir mit ihr noch französische Lieder oder die CD-Rom zum Magazine. Doch nun arbeitet sie bereits sehr selbständig und ich bekomme nur noch einen Bruchteil davon mit, was sie alles macht.

Wo unterstützen Sie Sofie?

Sandra Schärlig: Manchmal fragt sie, wie man ein Wort ausspricht. Einmal musste sie als  Hausaufgabe französische Bezeichnungen auf Lebensmittelverpackungen anschauen. Auch da halfen wir ihr. Und wir waren natürlich auch für sie da, als sie den Vortrag, den sie vorhin erwähnt hat, zu Hause übte.

Was ist Ihr Eindruck von «Mille feuilles»?

Sandra Schärlig: Mir gefallen die Themen. Sie sind nahe am Kind. Ich finde das Lehrmittel auch optisch ansprechend. «Mille feuilles» stellt einen hohen Anspruch an die Selbständigkeit. Viele Kinder sind das nicht gewohnt. Ich finde es daher gut, dass sie schon früh mit dieser Art des Arbeitens in Berührung kommen. Ich habe den Eindruck, dass das Lehrmittel für durchschnittlich und sehr begabte Schülerinnen und Schüler sehr gut ist. Grössere Bedenken habe ich indes bei Kindern, die nicht motiviert sind oder eine Lernschwäche haben. Eine Fremdsprache zu lernen und dazu noch selbständig zu arbeiten, kann für diese Schülerinnen und Schüler schnell überfordernd sein. Dass es nun Differenzierungshilfen gibt, ist sicher sinnvoll. Was mich an «Mille feuilles» etwas stört, ist das viele Material, das praktisch das halbe Pult füllt. Im ersten Jahr sind dies drei Magazines, eine Revue und eine grosse Fichier-Box.

Bei den Texten handelt es sich ja um Originaltexte, die nicht extra für das Lehrmittel erarbeitet wurden. Wie finden Sie das?

Sandra Schärlig: Mir gefallen die Texte, die ich bisher kennengelernt habe. Sie passen zum Gedanken des Sprachbads.

Und wie gefallen dir die Texte, Sofie?

Sofie: Sie sind herzig. Beim monstre de l’alphabet fand ich es lustig, dass Personen in vielen verschiedenen Sprachen reden und einander nicht verstehen.

Habt ihr auch Hausaufgaben?

Sofie: Ja, ich habe immer von Donnerstag bis Donnerstag Hausaufgaben. Manchmal machen wir eine Activité oder lernen Wörtli.

Achten Sie als Familie darauf, dass Sofie die französische Sprache auch in der Freizeit hört?

Sandra Schärlig: Für uns ist die Romandie sehr nahe, und wir kommen oft in Kontakt mit der französischen Sprache. So zum Beispiel in unserem Ferienhaus am Murtensee, einer zweisprachigen Gegend. Und einmal im Jahr fahren wir nach Frankreich in die Ferien. Sofie hörte früher ausserdem oft die französische Sängerin Zaz oder die französisch-schweizerische Band Carrousel.

Sie lernten ja anders Französisch als Ihre Tochter heute. Wie ist das für Sie?

Sandra Schärlig: Wir lernten viel Wortschatz, der immer wieder geprüft wurde. Natürlich ist einiges davon geblieben. Ob Sofie genügend Wortschatz lernt um sich zu verständigen, kann ich noch nicht beurteilen. Was mir am modernen Fremdsprachenunterricht gefällt, ist das projektartige Arbeiten. Ich bin sicher, dass Sofie vom Frühfranzösisch profitieren kann.