Motivation spielt beim Fremdsprachenlernen eine wichtige Rolle, wie verschiedene Studien immer wieder belegen. Das leuchtet ein – aber wie entsteht sie, und wie lassen sich Schülerinnen und Schüler für ein Thema motivieren, mit dem sie auf den ersten Blick nichts am Hut haben wollen?

Die meisten Forschenden unterscheiden zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation. Extrinsisch motivierte Kinder werden stark von äusseren Faktoren beeinflusst, zum Beispiel Noten, gute Berufschancen oder wichtige Vorbilder. Extrinsische Motivation ist oft direkt an einen Nutzen gebunden: Ich lerne nur, was mir konkret nützt. Die intrinsische Motivation hingegen kommt von innen. Intrinsisch motivierte Kinder lernen aus Interesse und Freude; der Nutzen ist für sie nicht wichtig. Die intrinsische Motivation ist im Allgemeinen stabiler als die extrinsische, die sich je nach Umfeld verändert. Hier können Eltern und Lehrpersonen das Lernen von Kindern und Jugendlichen beeinflussen.

English? Yes, sure!

Wie sieht die Situation bei den Fremdsprachen aus? Evaluationen in der Zentralschweiz, in den Kantonen Thurgau, Aargau und St. Gallen haben gezeigt, dass Primar- und Oberstufenschülerinnen und -schüler durchwegs motivierter sind, Englisch zu lernen. Als Begründung wird oft angegeben, dass Französisch schwieriger zu lernen sei. Ausserdem brauche man Französisch im Leben viel seltener, da man mit Englisch gut durchkomme. Alles Gründe, die stark extrinsisch und von aussen bestimmt sind.

Französischlehrpersonen haben also einen schwereren Stand als ihre Kolleginnen und Kollegen in Englisch. Es lohnt sich deshalb, genauer hinzuschauen und die ablehnende Haltung gegenüber der französischen Sprache zu hinterfragen.

Eine Studie zeigt, dass hinter den negativen Aussagen oft ein Mangel an Informationen steckt: Schülerinnen und Schüler wissen sehr viel über den englischen Sprachraum, aber kaum etwas über die frankophone Welt. Sie wissen zum Beispiel nicht, dass Französisch neben Frankreich auch in Kanada, in vielen Ländern Afrikas und in der Karibik gesprochen wird. Sie erfahren nirgends, dass Französisch die offizielle Amtssprache beim Internationalen olympischen Komitee (IOC) ist. Hier könnten die Französisch-Lehrmittel eine wichtige Rolle übernehmen, indem sie vielfältiges Wissen über die frankophone Welt vermitteln. Leider ist in den Französisch-Lehrmitteln, die einsprachig international ausgerichtet sind und auch in andern Ländern als in der Schweiz verkauft werden, nicht einmal die Romandie thematisiert oder wenn, dann nur am Rande.

Français? Quelle surprise!

Der Lehrplan für Französisch in den Passepartout-Kantonen und die Lehrmittel «Mille feuilles» und «Clin d’oeil» beheben diesen Mangel. Im Lehrplan ist der Bereich «Bewusstheit für Sprache und Kulturen» ebenso bedeutsam wie das sprachliche Lernen. Das heisst: Schülerinnen und Schüler sollen erfahren, dass Französisch eine lebendige Weltsprache ist. Die Lehrmittel folgen diesem Ansatz: Es geht um eine Zirkusfamilie in der Romandie, um Schulen in Afrika, Frankreich und Kanada, um Zugreisen nach Lausanne oder Nyon, um französische Popmusik oder Werbespots. Das sind viele Faktoren, welche die Motivation fürs Lernen steigern können.

Das Lehrmittel schafft es aber nicht allein, Schülerinnen und Schüler für die französische Sprache zu begeistern. Eltern und Lehrpersonen sind ebenso wichtig. Wenn Eltern ihre eigene negative Haltung der französischen Sprache gegenüber äussern, den Französischunterricht oder das Lehrmittel kritisieren, können sie ihr Kind in einen Loyalitätskonflikt bringen. Es hat dann das Gefühl, es dürfe gar nicht gerne Französisch lernen. Gerade jüngere Kinder reagieren besonders sensibel auf solche Situationen. Wenn Eltern Probleme sehen, sollten sie sie direkt mit der Lehrperson besprechen und nach Lösungen suchen.

Besonders motivierend: die Lehrperson

Lehrpersonen motivieren ihre Schülerinnen und Schüler durch einen gut gestalteten Unterricht und eine positive Atmosphäre im Schulzimmer. Sie sollen das Selbstvertrauen der Kinder in die eigene Lernfähigkeit stärken und ein möglichst angstfreies Lernklima schaffen. Hilfreich dafür ist eine Weiterbildung in Tertiär- oder Mehrsprachigkeitsdidaktik. Besonders motivierend ist auch das immersive Lernen. Hier werden Fächer wie Sport, Geographie oder Bildnerisches Gestalten in Französisch oder Englisch unterrichtet. Immersives Lernen lässt sich mit einzelnen Aktivitäten langsam aufbauen. Ziel ist es, möglichst lebensnahe und angewandte Situationen für das Sprachenlernen zu schaffen – ganz ohne Druck und zusätzliche Lektionen.

Zum Weiterlesen

Stöckli, Georg (2004). Motivation im Fremdsprachenunterricht.

Küppers, Almut & Quetz, Jürgen (Hg.) (2006). Motivation Revisited: Festschrift für Gerd Solmecke, Berlin.

Brühwiler, Christian & Le Pape Racine, Christine (2017). Entwicklungen motivationaler Orientierungen beim multiplen Erwerb von Französisch und Englisch als Fremdsprachen am Übergang von der Primarstufe in die Sekundarstufe 1. In: Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht. Jahrgang 22, Nummer 1, April 2017, 167-181.