Jede Einführung eines neuen Lehrmittels bringt grosse Veränderungen mit sich. Bei Mille feuilles, Clin d’oeil und New World kommt speziell dazu, dass diese zum Teil nach einer neuen Didaktik und Methodik funktionieren. Wie kann diese Herausforderung gemeistert werden? Und was trägt dazu bei, dass die Einführung der neuen Fremdsprachenlehrmittel gelingt? Wir fragten Schulleiterinnen und Schulleiter, Lehrpersonen sowie Weiterbildnerinnen und Weiterbildner aus den Passepartout-Kantonen nach ihren Erfahrungen.

Praxisnahe Weiterbildung

Lehrpersonen kommen mit der neuen Didaktik und Methodik meist zum ersten Mal in der Weiterbildung so richtig in Berührung. «Ich finde es wichtig, dass die Weiterbildung praxisnah ist. Also, dass die Lehrpersonen mit den Lehrmitteln arbeiten können, damit sie gut auf das Unterrichten vorbereitet werden», erklärt Mirjam Gobba, die an der OS Zermatt (VS) Französisch unterrichtet und dort auch in der Weiterbildung tätig ist.

Begeisterung vermitteln und weitertragen

Im Kollegium der Französischlehrerin Salome Maurer an der Primarschule Ettingen (BL) haben alle Lehrpersonen bei der gleichen Weiterbildnerin den Kurs absolviert. «Sandra Wick hat uns das Arbeiten mit dem neuen Lehrmittel mit solch einer Begeisterung vermittelt, dass wir gar nicht anders konnten, als Mille feuilles zu mögen», erzählt Salome Maurer. Wenn Lehrpersonen dem neuen Lehrmittel gegenüber positiv eingestellt sind, hat dies meist auch auf die andren Lehrkräfte im Kollegium einen Einfluss. Davon ist auch Andrea Meshesha, Französischlehrerin in der Primarschule Bottingen (BL) und Weiterbildnerin überzeugt. «Ich bin begeistert vom neuen Lehrmittel und äussere mich im Kollegium positiv darüber. Das strahlt auch auf die anderen Lehrerinnen und Lehrer aus», erklärt sie.

Positive Erfahrungen sammeln

«Bis Lehrpersonen gerne mit einem neuen Lehrmittel arbeiten, braucht es Zeit und Erfahrung», findet Schulleiterin Tove Specker der Sekundarschule Theobald Baerwart in Basel. Sie beschreibt die Einführung eines neuen Lehrmittels als Prozess, der meist nach einem ähnlichen Muster abläuft: «Zuerst müssen sich die Lehrpersonen mit dem neuen Lehrmittel vertraut machen.» Der erste Durchlauf sei anstrengend und könne Ablehnung hervorrufen. Erst wenn eine Lehrperson positive Erfahrungen gesammelt habe, arbeite sie in der Regel gerne damit.

Austausch und Teamteaching anbieten

Einige Schulleitungen begleiten die Einführung der neuen Lehrmittel aktiv, indem sie zum Beispiel den Austausch zwischen Lehrpersonen fördern. In Solothurn haben die Schulleitungen Sitzungsgefässe für Primar- und Sekundarlehrpersonen geschaffen und sind damit gut gefahren: «Wir führen pro Jahr vier Fachschaftssitzungen durch und haben festgestellt, dass der Austausch die Akzeptanz fördert», sagt Stefanie Ingold, Schulleiterin Sek I im Schulkreis Schützenmatt (SO). «Die Sitzungen sollen den Lehrpersonen auch Raum geben, um ihre Sorgen und Freuden mit den neuen Lehrmitteln zu teilen», findet Bendicht Marthaler, Schulleiter des Primarschulkreises Brühl (SO). «Die Lehrpersonen fühlen sich so nicht allein gelassen und können eine konstruktive Haltung entwickeln.» Im Schulkreis Schützenmatt gibt die Schulleitung neuen Französischlehrpersonen ausserdem die Möglichkeit, eine Stunde pro Woche mit einer erfahrenen Lehrperson im Teamteaching zu unterrichten. «Das erleichterte den neuen Lehrerinnen und Lehrern den Einstieg», stellt Stefanie Ingold fest.

Auch der Weiterbildner und Französischlehrer in der Primarschule Spiegel (BE), Urs Weibel, findet es wichtig, dass sich die Französischlehrpersonen regelmässig austauschen und bestimmte Leitlinien festlegen. «Gerade für Eltern bringt es Klarheit, wenn man eine gemeinsame Haltung vertritt wie beispielsweise im Umgang mit Hausaufgaben oder der Beurteilung.»

Klassenlehrpersonen unterrichten Französisch

In Liestal (BL) verlangt die Schulleitung, dass alle Klassenlehrpersonen Französisch unterrichten. «Das hat massgeblich dazu beigetragen, dass die Einführung der neuen Lehrmittel gut geklappt hat», erklärt Schulleiter Stephan Zürcher. Denn die Lehrpersonen können so Bezüge schaffen und beispielsweise die gelernten Strategien aus dem Fremdsprachenunterricht in andere Fächer übertragen.

In der Primarschule Bottmingen (BL) wünscht sich die Schulleitung ebenfalls, dass die Klassenlehrpersonen Französisch unterrichten. Sie gibt den Lehrpersonen aber Zeit, die Neuerungen umzusetzen. «Damit nimmt sie Druck von den Lehrpersonen weg, was natürlich eine Erleichterung ist», berichtet Andrea Meshesha. Wenn eine Lehrperson nicht Französisch unterrichten will, sucht die Schulleitung gemeinsam mit der Person eine Lösung. Zum Beispiel, dass eine der beiden Französischfachlehrpersonen die Lektionen übernimmt, wenn sie noch Kapazitäten hat.

Methodik und Didaktik konsequent anwenden

Am Anfang ist es anspruchsvoll, mit den neuen Lehrmitteln zu arbeiten. Urs Weibel vom Schulhaus Spiegel (BE) macht die Erfahrung, dass viele Lehrpersonen Angst hätten, dass sie die Schülerinnen und Schüler nicht so weit bringen, wie sie sollten. Er empfiehlt, die neue Didaktik und Methodik konsequent anzuwenden und nicht auf frühere Lehrmittel auszuweichen. Das gilt natürlich auch für zusätzliche Übungen, welche Lehrpersonen in den Unterricht einflechten.

Die Eltern einbeziehen

Eltern haben anders Fremdsprachen gelernt als ihre Kinder heute. Das kann zu Unsicherheit und Misstrauen führen. Sandra Wick unterrichtet neben ihrer Tätigkeit als Weiterbildnerin in der Primarschule Aesch (BL) Französisch. Sie rät den Lehrpersonen, die Eltern ins Boot zu holen und diese gut zu informieren. «Ich gebe den Schülerinnen und Schülern manchmal eine kurze Notiz für ihre Eltern mit nach Hause, um ihnen zu erklären, was wir gelernt haben, und was ihre Kinder noch nicht können.» Sandra Wick filmt die Schülerinnen und Schüler ausserdem manchmal bei einer Acivité und zeigt die Arbeiten an einem Elternabend, was bei den Eltern gut ankommt.

Viele Faktoren tragen zum Erfolg bei

Es gibt nicht bloss ein Rezept, wie die Einführung der neuen Fremdsprachenlehrmittel gelingen kann. Viele Faktoren spielen eine Rolle, angefangen bei der Weiterbildung, die praxisnahes Wissen und auch Begeisterung vermitteln sollte. Denn die Haltung der Lehrpersonen hat einen grossen Einfluss auf das Kollegium,das Unterrichten in der Klasse und auf die Motivation der Schülerinnen und Schüler. Für die meisten Lehrpersonen ist es am Anfang anspruchsvoll, mit den neuen Lehrmitteln zu arbeiten. Sie müssen sich vom Gewohnten verabschieden und auf einen Lernprozess einlassen. Das erfordert Geduld, Neugier, Vertrauen, Ausdauer und Zeit. Die Eltern dürfen ebenfalls nicht vergessen werden. Der Dialog mit ihnen ist wichtig.. Und nicht zuletzt kommt auch der Schulleitung eine wichtige Rolle zu: Mit einer klugen Personalplanung und der Schaffung von Austauschgefässen kann sie massgeblich dazu beitragen, dass die Einführung der neuen Lehrmittel gelingen kann.