Zweisprachige Kinder sind ihren Klassenkameradinnen und -kameraden voraus, wenn sie in der Schule ihre zweite Muttersprache Französisch oder Englisch lernen. Die meisten von ihnen haben das Sprachsystem zu Hause bereits gut gelernt. Es fällt ihnen in der Regel leicht, vor der Klasse zu sprechen. Ihre Aussprache ist angemessen. Je nachdem, woher ihre Eltern stammen, ist diese von regionalen Eigenheiten geprägt, die alle als gleichwertig einzustufen sind. Zweisprachige Kinder bringen zwar ein Alltagsvokabular mit, das ihnen einen Vorsprung auf ihre Klassenkameradinnen und -kameraden gibt. In den Kompetenzen Lesen und Schreiben hingegen stehen sie oft am gleichen Punkt wie alle anderen in der Klasse.

Zusätzliche Texte und Aufgaben abgeben

Was können Sie als Lehrperson tun, damit sich diese Schülerinnen und Schüler im Unterricht nicht langweilen? Sie können zweisprachige Kinder ihren Vorkenntnissen entsprechend fördern. Nicht alle zweisprachigen Kinder wollen aber speziell behandelt werden. Deshalb ist es notwendig, dass nicht nur die Eltern, sondern auch die Kinder selbst einverstanden und motiviert sind, sich speziell fördern zu lassen.

Falls dies der Fall ist, können Sie mit dem Schulkind Lern- und Kompetenzziele besprechen. Anschliessend können Sie ihm beispielsweise Lesestoff geben, der mit einer Aufgabe (tâche oder task) verbunden werden kann. Die bilingualen Schülerinnen und Schüler können auch ein Buch von zu Hause mitnehmen oder Sie bieten ihnen eine passende Lektüre an.

Im Lehrmittel Mille feuilles gibt es ein grosses Angebot an freiwilligen Zusatzmaterialien. Da die Aufgaben in den Lehrmitteln im Zusammenhang mit bestimmten Themen stehen, können die zweisprachigen Schülerinnen und Schüler ihr Alltagsvokabular themenspezifisch aufbauen und erweitern. Es empfiehlt sich, dass sie dafür ein eigenes Heft, Tablet oder einen Ordner benutzen. Die Schülerinnen und Schüler können ausserdem ein Lerntagebuch führen, wo sie zum Beispiel neben Kurztexten in der Fremdsprache Fragen, Fortschritte und Ziele in der Schulsprache Deutsch aufschreiben. Als Lehrperson korrigieren Sie die Texte, wenn die Schülerin oder der Schüler dies wünscht.

Schriftliche Arbeiten selber korrigieren lassen

Für alle Schülerinnen und Schüler bilden Lektüre und Wortschatz das Fundament für das Schreiben. Kinder sollen entdecken, dass es einen Unterschied gibt zwischen der gesprochenen und der geschriebenen Sprache. Als Lehrperson können Sie von den zweisprachigen Schülerinnen und Schülern bei schriftlichen Aufgaben längere und sprachlich reichere Texte erwarten. Diese müssen aber nicht unbedingt korrekter geschrieben sein. Lassen Sie die zweisprachigen Schülerinnen und Schüler ihre Texte mit Korrekturstrategien vorerst selber und später zusammen mit einer Klassenkameradin oder einem Klassenkameraden gemäss dem Lernstand des Kindes nach vorgegebenen Kriterien überarbeiten. Als Lehrperson können Sie schliesslich auf Wunsch der Schülerin oder des Schülers den bereits bearbeiteten Text ebenfalls korrigieren. Danach kann ihn die Schülerin oder der Schüler zum Beispiel nochmals bearbeiten oder ihn mündlich kommentieren.

Als Hilfsassistenz im Dienst sein

Es gibt bilinguale Kinder, die gerne als Hilfsassistentinnen und -assistenten  in der Klasse zur Verfügung stehen. Das heisst, sie unterstützen in dieser Funktion ihre Kameradinnen und Kameraden, die über weniger Kompetenzen verfügen. Oder sie stehen Ihnen als Lehrperson bei Fragen zur Seite. Andere Kinder wünschen hingegen keine Sonderbehandlung.

Die von mir beschriebene Förderung für zweisprachige Kinder funktioniert nur, wenn die Schülerin oder der Schüler bereit ist, zusätzlich etwas zu lernen oder zumindest während der Lektionen zeitweise etwas anderes als die Klasse zu bearbeiten. Die Motivation hängt von der Schülerin oder dem Schüler ab und natürlich auch von der Art der Aufgabe. Diese ist dann besonders motivierend, wenn das Thema selber gewählt werden kann oder wenn es mit dem Lebensumfeld und dem Interessensgebiet der Schülerinnen und Schüler zu tun hat.