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Letztes Update: 04.02.2012
 
 

 

1. Junge Kinder sind interessiert an fremden Sprachen. Sie haben ein feines Gehör für Sprachen und imitieren sie ohne falsche Hemmungen. Sie lernen spielerisch und haben keine Angst davor, Fehler zu machen. Deshalb ist es für sie keine Überforderung, in der Primarschule zwei Fremdsprachen zu lernen. Das zeigen verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen und Erfahrungen aus der Praxis. Im Elsass werden beispielsweise rund 14'000 Kinder ab dem Kindergarten zweisprachig unterrichtet – ohne grosse Probleme. 



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2. Untersuchungen zeigen, dass sich Mehrsprachigkeit keineswegs negativ auf die Kompetenzen in der Erstsprache auswirkt. Im Gegenteil: Verschiedene Sprachen zu lernen beeinflusst die Fähigkeiten, über die eigene Muttersprache zu reflektieren, positiv. Ein wichtiger unterstützender Faktor dabei ist die frühe und konsequente Anwendung der Standardsprache im Unterricht.

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3. Französisch ist Landessprache – und die Nachbarsprache der sechs Partnerkantone im Projekt Passepartout. Wer hier lebt, ist oft in Kontakt mit französisch sprechenden Menschen. Französischkenntnisse sind also gefragt. In der Schule freuen sich die Kinder auf die erste Fremdsprache, ihre Motivation ist ein guter Start fürs Französischlernen. Diesen Schwung nehmen sie mit und freuen sich später auf die zweite Fremdsprache Englisch, die sie in der Pubertät besonders «cool» finden. Auch der Englischunterricht wird im Projekt Passepartout erneuert und verlängert. Am Ende der obligatorischen Schulzeit sollten die Schülerinnen und Schüler in beiden Sprachen über vergleichbare Sprachkompetenzen verfügen.

 


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4. Die Didaktik der Mehrsprachigkeit geht von einem neuen Grundsatz aus: Sprachen werden nicht nebeneinander, sondern in Abhängigkeit voneinander gelehrt und gelernt. Deutsch, Französisch, Englisch und allenfalls weitere Fremdsprachen werden nicht mehr isoliert unterrichtet. Vielmehr werden bei jeder Gelegenheit  Verbindungen zwischen den Sprachen hergestellt. Damit lernen die Kinder gleichzeitig, über Sprache und Kultur nachzudenken und Zusammenhänge aufzudecken.
Im Unterricht sollen die Kinder viele Gelegenheiten zum Sprechen erhalten. Nicht möglichst korrekt, sondern möglichst oft und unbewertet. Die Themen im Unterricht sollen nah an der Realität der Kinder sein und ihren Interessen entsprechen. Lernschritte werden dokumentiert und gewürdigt. Und auch die Herkunftssprachen werden einbezogen.

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5. Ziel der Vorverlegung des Fremdsprachenunterrichts ist es, die Sprachkenntnisse aller Schülerinnen und Schüler am Ende der obligatorischen Schulzeit zu verbessern. Ihre Kompetenzen in den beiden Fremdsprachen Französisch und Englisch sollen vergleichbar sein. Es geht nicht darum, sich grammatikalisch perfekt schriftlich auszudrücken, sondern in alltäglichen Situationen mündlich kommunizieren zu können und die fremde Sprache auch schriftlich zu verstehen. Kinder und Jugendliche sollen sich ohne Angst vor Fehlern in den Fremdsprachen ausdrücken und sich verständlich machen können. Natürlich gehört Grammatik und möglichst korrektes Schreiben ebenfalls zum Lernen.

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6. Folgende Einteilung der Lektionen ist vorgesehen:

In den ersten beiden Jahren, also in der 3. und 4. Klasse, werden 3 Lektionen Französisch unterrichtet. In der 5. und 6. Klasse (wenn der Englischunterricht beginnt), gibt es 2 Lektionen Französisch. von der 7. bis zur 9. Klasse sind es wieder 3 Lektionen.

Der Englischunterricht beginnt in der 5. und 6. Klasse mit 2 Lektionen. von der 7. bis zur 9. Klasse sind es 3. Lektionen.

Die Gesamtlektionenzahl orientiert sich an den Vorgaben des Lehrplans 21, der für alle deutschschweizer Kantone gelten wird. Über die definitive Einführung dieser Lektionentafel entscheiden die Kantone.


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7. In den meisten Regionen der Welt wachsen die Kinder mehrsprachig auf. Der Umgang mit verschiedenen Sprachen ist für sie alltäglich und ganz natürlich. Zudem zeigen Untersuchungen, dass das Lernen von zwei Fremdsprachen das Bewusstsein für Sprachen fördert. Die Kinder können Lernstrategien übertragen und den Wortschatz schneller aufbauen.

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8. Es ist ein Anliegen aller Harmonisierungsbestrebungen in der Schweiz, die Unterschiede zwischen den Schulsystemen der Kantone zu verringern und die Mobilität der Familien zu erleichtern. Passepartout ist ein Schritt in diese Richtung und versucht, bei den Fremdsprachen Vergleichbarkeit zu schaffen. Solange die Schulsysteme in der Schweiz aber so unterschiedlich sind, wird der Wechsel in einen anderen Kanton nicht ganz reibungslos verlaufen.



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9. Der Unterricht wird dem Alter und den Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler angepasst. Die Lehrmittel sind so angelegt, dass sie unterschiedlichen Lerntypen, unterschiedlichen Begabungen und Interessen und einem unterschiedlichen Lerntempo Rechnung tragen. So kann jedes Kind seinen Voraussetzungen entsprechend lernen. Sollte ein Kind dennoch überfordert sein, werden Lösungen gesucht, wie dies schon heute in anderen Fächern möglich ist. Zum Beispiel können individuelle Lernziele vereinbart werden.


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10. Anders als im Deutschunterricht sind fremdsprachige Kinder im Französisch- und Englischunterricht nicht benachteiligt. Sie starten mit denselben Voraussetzungen wie deutschsprachige Kinder. Viele Lehrpersonen beobachten sogar oft, dass fremdsprachige Kinder etwa im Französischunterricht Vorteile haben, da sie mit Deutsch bereits eine Fremdsprache gelernt haben und diese Erfahrung nutzen können.


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Diese Frage wird in den Kantonen unterschiedlich geregelt. Sie muss allerdings in einem grösseren Zusammenhang betrachtet werden. Zum Beispiel hat der Fremdsprachenunterricht positive Effekte auf die Erst- bzw. auf die Schulsprache. Zudem können Kinder das, was sie mit der Didaktik der Mehrsprachigkeit in Französisch und Englisch lernen, auch in anderen Fächern anwenden (Lernstrategien, Lösungswege finden, Texte mit Schlüsselwörtern erschliessen etc.).


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Diese Frage wird zurzeit in über 30 Testklassen in den Kantonen FR, SO und VS beantwortet. Mit wenigen Wochenstunden können keine gewaltigen Lernfortschritte erwartet werden. Es zeigt sich aber, dass die Kinder bereits nach einem halben Jahr sehr viel verstehen und sich anspruchsvolle (ihrem Alter angepasste) Texte erschliessen können. So wird der Grundstein für späteres intensiveres Lernen gelegt. Zudem beinhaltet die Didaktik der Mehrsprachigkeit auch das Lernen ausserhalb des eigentlichen Fremdsprachenunterrichts, wo immer sich die Gelegenheit bietet: im Deutschunterricht, in der Pause, auf Schulreise, im Sport etc.


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