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Letztes Update: 04.02.2012
 
 

1. Warum haben sich die sechs Passepartout-Kantone für Französisch als erste Fremdsprache entschieden?

2. Welche politischen Entscheide stützen das Projekt Passepartout ab?

3. Wie hängt Passepartout mit den übrigen grossen Projekten im Bildungswesen zusammen (HarmoS, Lehrplan 21, Bildungsraum Nordwestschweiz)?

4. Verbessert Passepartout das Abschneiden der Schweiz in der PISA-Studie?

5. Müssen durch Passepartout zusätzliche Lehrpersonen angestellt werden?

6. Was bringt Passepartout meinem Kanton?

7. Wird die Schule durch das Projekt teurer?

8. Trifft es für die Mehrheit der Kinder zu, dass sie Fremdsprachen besser lernen, je früher sie damit anfangen?

9. Wird der frühe Französisch- und Englischunterricht auf Kosten anderer Fächer der Primarschule eingeführt?

10. Werden stärkere und schwächere Schülerinnen und Schüler gleichermassen gefördert?

11. Haben andere Kantone und Regionen positive Erfahrungen mit einem ähnlichen Sprachenkonzept gemacht?

12. Sind 2 oder 3 Lektionen Französisch oder Englisch pro Woche nicht zu wenig, um die Fremdsprache zu lernen?

13. Gibt es Unterstützung für die Lehrpersonen?


 
1. Die sechs Passepartout-Kantone (Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Fribourg, Solothurn, Wallis) liegen an der deutsch-französischen Sprachgrenze. Für sie hat die Nachbarsprache Französisch seit jeher einen hohen Stellenwert. In den zweisprachigen Kantonen Bern, Freiburg und Wallis ist das Nebeneinander von Französisch und Deutsch an vielen Orten alltäglich. Die Wahl für Französisch als erste Fremdsprache hat also in erster Linie staatspolitische und nachbarschaftliche Bedeutung. So wie in der Romandie auch zuerst Deutsch gelernt wird. Es gibt aber auch wirtschaftliche und lernpsychologische Gründe: Im Tourismus, im Detailhandel und im Gewerbe ist Französisch auch heute noch wichtiger als Englisch. Und schliesslich ist die Unbeschwertheit der kleinen Kinder für das Erlernen der komplexen französischen Sprache von Vorteil.

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2. Grundlage des Projekts ist die am 25. März 2004 von den Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) verabschiedete Strategie zum Sprachenunterricht in der obligatorischen Schule sowie der gmeinsame Arbeitsplan für eine gesamtschweizerische Koordination zur Umsetzung des EDK-Gesamtsprachenkonzepts von 1998.
Am 19. November 2004 unterzeichnen die Erziehungsdirektorinnen und -direktoren der Kantone Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Freiburg, Solothurn und Wallis eine Vereinbarung über eine weit reichende Koordination im Bereich des Sprachenunterrichts und über den Beibehalt der Einstiegsfremdsprache Französisch. In der Folge gaben sie eine Projektskizze in Auftrag, welche die koordinierte Vorverlegung des Französischunterrichts ab dem 3. und des Englischunterrichts ab dem 5. Schuljahr beschreibt.
Im April 2007 unterzeichnen die Regierungsräte der beteiligten Kantone eine verpflichtende Kooperationsvereinbarung. Die Kantonsparlamente segneten den Entscheid für die Einstiegsfremdsprache Französisch ab. Die daraus folgende «Interkantonale Vereinbarung über die Einführung des Französischunterrichts ab dem 3. und des Englischunterrichts ab dem 5. Schuljahr sowie die gemeinsame Entwicklung des Fremdsprachenunterrichts» (FEUV) wurde im Januar 2008 mit dem Beitritt von fünf Kantonen ratifiziert.

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3. Passepartout ist in Kontakt mit den grossen laufenden Bildungsprojekten in der Schweiz (HarmoS, Lehrplan 21, Bildungsraum Nordwestschweiz) und den übrigen Regionalkonferenzen der Erziehungsdirektorenkonferenz EDK (EDK-Ost, CIIP). Zudem basiert das gesamte Konzept auf der Sprachenstrategie der Erziehungsirektorenkonferenz (EDK) vom März 2004. Alle Projekte werden aufeinander abgestimmt.


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4. In der PISA-Studie werden keine Fremdsprachenkenntnisse gemessen. Es gibt also keinen direkten Zusammenhang zwischen der PISA-Studie und Passepartout. Dennoch: Passepartout soll die Mehrsprachigkeit und das allgemeine Sprachverständnis der Schulkinder verbessern. Zudem dient es der Harmonisierung der Schulsysteme in der Schweiz. Insofern kann Passepartout durchaus auch positive Auswirkungen auf die PISA-Resultate haben.

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5. Die Verteilung der Lektionen in Französisch und Englisch auf die Lehrpersonen ist noch nicht geklärt und wird in den sechs Kantonen auch unterschiedlich gehandhabt. Eine Zunahme der Lektionen ist zumindest in einzelnen Passepartout-Kantonen nicht auszuschliessen.

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6. Passepartout hat sich zum Ziel gesetzt, die Dauer des Fremdsprachenunterrichts zu verlängern und ihn qualitativ zu verbessern. Das Stichwort heisst «funktionale Mehrsprachigkeit»: Die Kinder sollen sich mit Selbstverständlichkeit in drei Sprachen unterhalten können. Damit verbessern sich letztlich auch ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Durch das koordinierte Vorgehen profitiert jeder einzelne Passepartout-Kanton: Die Projektkosten werden geteilt, Lehrpläne, Lehrmittel und Ausbildungsgänge werden gemeinsam entwickelt. Zudem erleichtert die Harmonisierung des Sprachenunterrichts die Mobilität der Familien.

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7. Teurer wird die Schule, wenn wiederkehrende Kosten für Mehrlektionen anfallen. Ausserdem werden die Gemeinden, die für die Lehrmittel aufkommen, zwei Jahre früher, also bereits ab der 3. Klasse, Französischlehrmittel anschaffen müssen.


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8. Diese Aussage trifft tatsächlich für die meisten Kinder zu, namentlich auch für kognitiv weniger begabte Kinder. Vor allem am Anfang braucht der Spracherwerb aber relativ viel Zeit. Dennoch lernen jüngere Kinder (bis 9 Jahre) einfacher eine gute Aussprache. Die allermeisten Kinder haben übrigens die Fähigkeit, mehrere Fremdsprachen zu lernen.


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Diese Frage wird in den Kantonen unterschiedlich geregelt. Sie muss allerdings in einem grösseren Zusammenhang betrachtet werden. Zum Beispiel hat der Fremdsprachenunterricht positive Effekte auf die Erst- bzw. auf die Schulsprache. Zudem können Kinder das, was sie mit der Didaktik der Mehrsprachigkeit in Französisch und Englisch lernen, auch in anderen Fächern anwenden (Lernstrategien, Lösungswege finden, Texte mit Schlüsselwörtern erschliessen etc.).


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Binnendifferenzierung und individualisierter Unterricht sind wichtige Themen – aber nicht nur im Sprachenunterricht. Die Lehr- und Lernmaterialien «Mille feuilles» und «New World» lassen es zu, dass der Unterricht dem Alter und den Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler angepasst wird. Sie sind so angelegt, dass sie unterschiedlichen Lerntypen, unterschiedlichen Begabungen und Interessen und einem unterschiedlichen Lerntempo Rechnung tragen. So kann jedes Kind seinen Voraussetzungen entsprechend lernen. Sollte ein Kind dennoch überfordert sein, werden Lösungen gesucht, wie dies schon heute in anderen Fächern möglich ist. Zum Beispiel können individuelle Lernziele vereinbart werden.


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In der Zentralschweiz, in Appenzell und Zürich wurde die Einführung von zwei Fremdsprachen an der Primarschule bereits ausgewertet. Sie zeigen auf, dass viele Befürchtungen unbegründet waren, z.B. die Benachteiligung fremdsprachiger Schülerinnen und Schüler. Die Innerschweizer Studie belegt ausserdem, dass der frühere Englischunterricht dem später einsetzenden Französischunterricht nützt.


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Diese Frage wird zurzeit in über 30 Testklassen in den Kantonen FR, SO und VS beantwortet. Mit wenigen Wochenstunden können keine gewaltigen Lernfortschritte erwartet werden. Es zeigt sich aber, dass die Kinder bereits nach einem halben Jahr sehr viel verstehen und sich anspruchsvolle (ihrem Alter angepasste) Texte erschliessen können. So wird der Grundstein für späteres intensiveres Lernen gelegt. Zudem beinhaltet die Didaktik der Mehrsprachigkeit auch das Lernen ausserhalb des eigentlichen Fremdsprachenunterrichts, wo immer sich die Gelegenheit bietet: im Deutschunterricht, in der Pause, auf Schulreise, im Sport etc.


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In der 12-tägigen Weiterbildung für Lehrpersonen, die neu Französisch oder Englisch unterrichten werden, sind 4 Tage Unterrichtsbegleitung und Erfahrungsaufbereitung vorgesehen. Weitere Unterstützungsangebote sind Sache der Kantone.


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