Sprachen verknüpfen

Passepartout, Bilder aus dem Unterricht, April 2016, Bild Christian Flierl

Die Didaktik der Mehrsprachigkeit geht von einem neuen Grundsatz aus: Deutsch, Französisch und Englisch sind keine komplett voneinander abgekoppelten Fächer. Vielmehr werden bei jeder Gelegenheit Verbindungen zwischen den Sprachen hergestellt. Damit lernen die Schülerinnen und Schüler, in einem Fach erworbene Einsichten und Strategien in anderen Fächern aufzunehmen und auf neue Lerninhalte und Lernsituationen zu übertragen. Gleichzeitig reflektieren sie über Sprache und Kultur und decken Zusammenhänge auf. So wird der Grundstein für Mehrsprachigkeit gelegt.

Viele Schülerinnen und Schüler sind bereits von Haus aus mehrsprachig. Für sie war Deutsch die erste Fremdsprache. Diese Kinder bringen viel Erfahrung im Umgang mit Mehrsprachigkeit mit. Ihr Wissen wird in der Didaktik der Mehrsprachigkeit wertgeschätzt und fürs Lernen genutzt. Die Erfahrung zeigt, dass sie im Französisch- und Englischunterricht keine Nachteile erleben.

Und wie sieht das im Unterricht konkret aus? Die Kinder sollen viele Gelegenheiten zum Sprechen erhalten. Nicht möglichst korrekt, sondern möglichst oft und unbewertet. Die Themen im Unterricht sollen nah an der Realität der Kinder sein und ihren Interessen entsprechen. Lernschritte werden dokumentiert und gewürdigt.

Ergebnisse aus der Lernforschung

Passepartout, Bilder aus dem Unterricht, April 2016, Bild Christian Flierl

Die Forschung zeigt, dass eine fremde Sprache zuerst übers Ohr aufgenommen wird. Ein Kind lernt die Muttersprache, indem es in den ersten beiden Lebensjahren fast nur zuhört. Danach fängt es an zu sprechen. Und erst mit viel Übung und Wiederholung kann es wirklich gut lesen und korrekt schreiben. Diese Erkenntnisse fliessen in den Fremdsprachenunterricht ein. Auch dort lernen Schülerinnen und Schüler erst verstehen, bevor sie selber sprechen und schreiben.

Die Inhalte in den Lehrmitteln sind spannend und auf das Alter der Schülerinnen und Schüler abgestimmt. Sie sollen das Interesse der Schülerinnen und Schüler wecken und diese motivieren, die fremde Sprache zu lernen. Um die Texte und Aufgaben zu verstehen, brauchen die Schülerinnen und Schüler einen Wortschatz und Kenntnisse der Grammatik. Sie lernen so Vokabular und grammatikalische Regeln nicht zum Selbstzweck, sondern immer in Verbindung mit einer Aufgabe. Das ergibt für sie mehr Sinn, als wenn sie diese isoliert üben müssten.

Zum Weiterlesen

  • Cathomas Rico, Carigiet Werner (2008). Top-Chance Mehrsprachigkeit. Schulverlag plus
  • Egli Cuenat Mirjam (2014). Die „Fremdsprache Deutsch“ in mehrsprachigen Kontexten. In Fremdsprache Deutsch 50 (Jubliäumsnummer), S. 17–21
  • Ehlich Konrad, Hornung Antonie (Hrsg.) (2006). Praxen der Mehrsprachigkeit. Reihe Mehrsprachigkeit, Band 20. Waxmann Verlag
  • Europarat für kulturelle Zusammenarbeit (Hrsg.) (2001). Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen für Sprachen: lernen, lehren, beurteilen. Langenscheidt
  • Hutterli Sandra, Stotz Daniel, Zappatore Daniela (2008). Do you parlez andere lingue? Fremdsprachen lernen an der Schule. Verlag Pestalozzianum
  • Le Pape Racine Christine (2014). Mehrsprachigkeit und immersiver Unterricht in der Schweiz. In: Ehrhart Sabine (Hrsg.). Europäische Mehrsprachigkeit in Bewegung: Treffpunkt Luxemburg. Des plurilinguismes en dialogue: rencontres luxembourgeoises. Bern. Peter Lang. S. 117–144.
  • Le Pape Racine Christine (2014). Code-Switching als Kommunikationsstrategie im reziprok-immersiven Unterricht an der Filière bilingue (FiBi) in Biel/Bienne (Schweiz) und didaktische Empfehlungen.
  • Metry Alain, Steiner Edmund, Ritz Toni (2009). Fremdsprachenlernen in der Schule. hep Verlag AG
  • Ruhstaller Brigitte, Le Pape Racine Christine (2014). Projektdokumentation: Îlots immersifs an der Primarschule. Kanton Aargau, Departement Bildung, Kultur und Sport, Abt. Volksschule und Pädagogische Hochschule der Fachhochschule der Nordwestschweiz (PD FHNW).
  • Schlemminger Gérald, Le Pape Racine Christine, Geiger-Jaillet Anemone. (2015). Sachfachunterricht in der Fremdsprache Deutsch oder Französisch. Methodenhandbuch zur Lehreraus- und -fortbildung. Schneider Verlag Hohengehren.
  • Weil Markus, Vanotti Manuele (Hrsg.). (2015). Weiterbildung und Mehrsprachigkeit. Formation continue et plurilinguisme. Further education and plurilingualism. Bern. hep Verlag AG.
  • Wider Martina (2008). Das 10×10 des Europäischen Sprachenportfolios ESP III. hep Verlag AG